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Placebo-Effekt: Suggestionen verändern Hirnstrukturen

Als “Suggestion” kann jeder wirksame Fremdeinfluss bezeichnet
werden, der von einer Person aufgenommen wird. Urheber von Suggestionen
sind im weitesten Sinn alle ausser uns liegenden Gedanken oder Dinge.
Unter Suggestibilität versteht man die Empfänglichkeit für Suggestionen.
Sie ist an sich nichts Negatives. Im Gegenteil, sie ist eine
unabdingbare Voraussetzung menschlichen Lebens und jedem geistig
Gesunden eigen. Wir sind darauf angewiesen, von der Umwelt dauernd
Impulse aufzunehmen. Suggestionen sind Teil jedweder Kommunikation. Sie
beeinflussen – allerdings meist unerkannt – unser tägliches Leben.
Gefahren ergeben sich dort, wo solche Suggestionen nicht kritisch
hinterfragt werden können, weil sie nicht bewusst werden.

Hypnose und Suggestion sind natürliche Phänomene im täglichen
Leben. Sie werden oft verwechselt. Der hypnotische Zustand begünstigt
lediglich die Umsetzung von Suggestionen. Der hypnotische Zustand selbst
beinhaltet keine Suggestion. Er ist charakterisiert durch eine
eingeschränkte Bewusstseinbreite, die mit einer erhöhten Aufmerksamkeit
einhergeht.

Kleinkinder sind erhöht suggestibel, da ihre Vorstellungswelt
noch nicht voll ausgebildet ist und die Hypnose ihre natürliche
Bewusstseinslage ist. Aber auch Erwachsene sind vorallem auf Gebieten,
die ausserhalb ihrer erlernten Vorstellungswelt liegen, äusserst
suggestibel.Typisch dafür ist, dass z.B. Berichte, die von Autoritäten
verbreitet werden, im allgemeinen eine höhere Glaubwürdigkeit haben und
leichter angenommen werden, als solche, die uns aus andern Quellen
zufliessen. Neben dem Autoritätsgefälle spielen noch weitere Faktoren
bei der Wirkung von Suggestionen eine Rolle.

Ganz deutlich wird dies im Falle von Suggestionen im
medizinischen Bereich. Hier lässt sich die unbewusste Suggestibilität
anhand des Placebo-Effektes besonders gut illustrieren. Placebos sind
Scheinmedikamente ohne pharmazeutische Wirkstoffe.

Grundvoraussetzung für die Wirkung einer Placebobehandlung
ist, dass der Behandelte weiss, welche Wirkungen die angebliche Therapie
entfalten soll. Seine Erwartungshaltung wird nun zusätzlich verstärkt
durch die äussere Form der Behandlung. Die stärkste Wirkung entfalten
technisch geprägte Massnahmen, wie Spritzen, Operationen u.a., ganz
besonders dann, wenn die Scheinbehandlungen von einer vertrauenswürdigen
Fachperson mit einem gewissen Zeremoniell ausgeführt werden. Eine
Behandlung, die vom Arzt angewandt wird, hat eine stärkere Wirkung als
wenn sie von der Krankenschwester ausgeführt wird.

Die Wirkung der Suggestion wurde lange Zeit von der
Schulmedizin als reine Einbildung abgetan. Neue bildgebende Verfahren
erlauben nun aber den Nachweis, dass Scheinbehandlungen zu spezifischen
Veränderungen im Gehirn führen. Damit wird erstmals deutlich, dass
Suggestionen auch physisch nachweisbare Wirkungen haben.

So ist heute unbestritten, dass Schmerzen, psychische und
physische Störungen, ja selbst Herzbeschwerden durch Placebos, oder
andere medizinische Scheinbehandlungen, gemildert oder gar zum
Verschwinden gebracht werden können.

Studien mit bildgebenden Verfahren zeigen, dass
Scheinbehandlungen ähnliche Aktivitätsmuster im Gehirn auslösen, wie sie
bei echten Behandlungen zu beobachten sind. Bei Depressionen etwa
erzeugen Placebos im Gehirn ein ähnliches Aktivitätsmuster, wie sie von
Antidepressiva ausgelöst werden.

Wie stark der Placeboeffekt ausfallen kann, zeigt sich an
einer Doppelblind-Studie eines Chirurgenteams am ” Veterans Affairs
Medical Center” in Houston, Texas, wo 180 freiwillige Teilnehmer mit
schmerzhafter Kniearthrose behandelt wurden. Von den Behandlungsgruppen
wurden nur zwei tatsächlich operiert. Bei der dritten Gruppe setzten die
Chirurgen zwar die üblichen Hautschnitte, behandelten aber das Knie nur
zum Schein. Nach 2 Jahren waren alle Patienten mit dem
Operationsresultat zufrieden, doch jene der Placebogruppe vermeldeten
den deutlichsten Rückgang ihrer Knieschmerzen.

Die Bedeutung von medizinischen Ritualen wird an folgendem
Beispiel ersichtlich. Bei einem Test “Placebo gegen Placebo” wurden
Patienten mit chronischen Unterarmbeschwerden (“Tennisarm”) behandelt;
sowohl die Behandlung mit einem Scheinmedikament als auch die Behandlung
mit Schein-Akupunktur führten zur Linderung der Schmerzen. Die
angebliche Akupunktur war aber deutlich wirksamer als die Pillen. Die
Schein-Akupunktur wurde zweimal wöchentlich durch den Arzt appliziert.
Die Placebo-Pillen wurden ohne ärztliche Aufsicht selber eingenommen.
Sie zeigten eine deutlich schwächere Wirkung.

Aufnahmen des Gehirns zeigten, dass schon die Erwartung einer
schmerzlindernden Wirkung im Gehirn zu erhöhter neuronaler Aktivität
führt. Parkinson-Patienten z.B. reagieren auf vorgetäuschte Behandlung
mit erhöhter Ausschüttung von Dopamin, genau jenes Hirnbotenstoffs,
dessen Mangel zu den typischen Bewegungsstörungen des Patienten führt.

Die Signale und Deutungen, welche der behandelnde Therapeut
dem Patient vermittelt – eben Suggestionen -, haben eine überragende
Bedeutung, ob und wie stark ein Placeboeffekt zum Tragen kommt. Das gilt
auch im umgekehrten Falle: Werden Scheinmedikamente mit dem Hinweis
abgegeben, dass bestimmte Nebenwirkungen auftreten können, klagen viele
Patienten später tatsächlich über die angekündigten Effekte.

Anderseits belegen Experimente, dass pharmazeutische
Wirkstoffe, die ohne Wissen des Patienten versteckt abgegeben werden,
völlig wirkungslos bleiben oder ihre Wirkung nicht in vollem Masse
entfalten.

Aus den Forschungen wird ersichtlich, wie bedeutungsvoll und
mächtig das Unbewusste in körperliche Funktionen eingreift. Suggestionen
sind nicht etwa bei willensschwachen Personen wirksam. Die Wirkung
scheint davon abzuhängen, welche Erwartungen ein Patient an die
Behandlung knüpft. Positive Erwartungen lösen im Mittelhirn deutliche
Veränderungen aus.

Bis jetzt wurden in der Medizin die Placeboeffekte eher als
lästig empfunden, konnte man doch bei Tests von Medikamenten nur mit
grossem Aufwand feststellen, was physische Wirkung und was Suggestion
war.

Mit dem heutigen Wissen kann man den Spiess umdrehen: Bevor
Medikamente mit Nebenwirkungen eingesetzt werden, kann man gezielt mit
Suggestionen arbeiten. In Hypnose ist es möglich, solche Einflüsse zu
verstärken. Hypnose kann dort bewusst unterstützend eingesetzt werden,
wo Krankheitssymptome angegangen werden sollen. Noch sinnvoller ist es
allerdings, wenn mittels Hypnose nicht die Symptome sondern die Ursachen
von Krankheiten aufgedeckt werden. Symptomverschiebungen können dann
vermieden und der Weg zu echter Heilung ermöglicht werden.