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Hypnose ist aktueller denn je

Das zeigen die neuesten Erkenntnisse aus der Epigenetik. Lesen Sie, wie Sie mit Hypnose die Genregulation beeinflussen können.

Vom Augustinerpater Gregor Johann Mendel (1822-1884) zur Epigenetik

Die Entschlüsselung der Erbfaktoren ist nur die eine Seite Der Wissenstand vieler Zeitgenossen über Genetik
beschränkt sich heute immer noch auf die Erkenntnisse von Mendel, des
Urvaters und Begründers der Erblehre. Seine Untersuchungen bewiesen,
dass Merkmale der biologischen Grundausstattung eines Organismus im
Rahmen eines festgelegten Erbganges an die Nachkommen weitergegeben
werden. Allgemein bekannt ist auch, dass die Übertragung von
Erbinformation über sogenannte Gene erfolgt.

Damit entsteht der Eindruck, dass mit der Kenntnis der einzelnen
Gene und der darin festgelegten Erbinformation für einen Organismus
alles im voraus bestimmt und einsehbar ist. Im Frühjahr 2000 das „Human
Genome Project“ zur Entschlüsselung der Gesamtheit aller menschlichen
Erbfaktoren erfolgreich abgeschlossen.

Weniger bekannt ist jedoch, dass bei der Funktion der Gene zwei
Aspekte wichtig sind: Einerseits ist es der „Text“ eines Gens, der mit
der sogenannten DNS-Sequenz ein für allemal die Erbinformationen
festlegt. Dieser „Text“ geht in die Erbfolge ein und bestimmt die
Eigenschaften eines Organismus. Diese „Texte“ wurden, wie erwähnt,
entschlüsselt.

Die Regulation der Gene ist wichtiger als die Gene selbst
Anderseits –und das ist ebenso bedeutend-
gibt es aber eine Regulation der Genaktivität, welche insbesondere für
gesundheitsrelevante Körperfunktionen weit wichtiger ist als die Gene
selbst. Dies wird oft übersehen.

Trotz der Entschlüsselung der genetischen Ausstattung wurde
nämlich immer deutlicher, dass unser Schicksal durch die vererbten Gene
nicht vorausbestimmt ist. Besonders deutlich wird dies beispielsweise
bei eineiigen Zwillingen, deren Erbgut identisch ist. So unterscheiden
sich ihre Fingerabdrücke, sie weichen in ihrem Äusseren und in ihrer
Persönlichkeit voneinander ab und leiden in ihrem Leben an
unterschiedlichen Krankheiten. Diese Abweichungen nehmen mit steigendem
Alter zu, wie eine entsprechende Studie zeigte.

Tatsächlich werden durch molekuläre Mechanismen Gene an- und
abgeschaltet. Die DNS Sequenz (der „Text“) wird zwar intakt gelassen,
aber die Aktivität eines Gens reguliert. D.h. dass ein Gen Wirkung
entfalten kann oder nicht. Viele Gene zeigen –je nach
Umgebungssituation- einen laufenden Wechsel von einem aktiven in einen
weniger aktiven Zustand. Dies wird als die Genregulation bezeichnet.

Die molekulären Mechanismen werden dabei im weitesten Sinn durch Umwelteinflüsse erzeugt. Die neue Wissenschaft der Epigenetik befasst sich mit dem Zusammenspiel zwischen Genen und Umwelt. Welches
sind die Einflüsse von Ernährung, Umweltgiften oder psychischen Faktoren
usw. auf Gesundheit und Krankheit?

Durch Hypnose auf die Genregulation einwirken
Die Regulation der Genaktivität unterliegt in
hohem Masse situativen Einflüssen und wird überwiegend nicht vererbt.
Genetische Reaktionsmuster können durch individuelle Erlebnisse und
Erfahrungen „eingestellt“ werden. Gene bilden demzufolge nur einen Teil
unserer Ausstattung. Die Umwelt und unsere Reaktion darauf ist der
andere Teil. Beide Teile zusammen bilden eine „Einheit des Überlebens“
wie Gregory Bateson, Verhaltensforscher und Philosoph, es ausdrückte.

Die Gene als Träger unserer Erbanlagen lassen sich mit einem
Konzertflügel vergleichen, betont der Molekularbiologe Jens Reich. Ein
Konzertflügel kann für sich alleine keine Musik machen. Das Instrument
genügt nicht. Es muss jemand auf ihm spielen. Wir spielen auf unseren
Genen, weitgehend unbewusst. In Hypnose können wir Unbewusstes ersichtlich machen und erlangen damit die Möglichkeit, auf die Genregulation einzuwirken.

Was ist nun mit der Erblehre von Gregor Mendel? Er hatte den
Blick nur auf solche Gene gerichtet, die immer und in vollem Mass aktiv
sind und die Kerneigenschaften eines Organismus betrafen, z.B. die Farbe
„Grün“ einer Erbse. Veränderungen eines Erbmerkmals betrafen darum in
den von ihm untersuchten Fällen jeweils den „Text“ des Gens und nicht
seine Regulation.

Quellen:
Joachim Bauer, „das Gedächtnis des Körpers“, Frankfurt 2002